Die ProtoChampSeries 2008 – das allererste Jahr



"Eine Wettbewerbsserie, in welcher nur Fahrzeuge antreten, die es weltweit nur einmal gibt – das ist interessant!" So oder so ähnlich lauteten die ersten Kommentare zur Idee der ProtoChampSeries, welche dann sofort auch umgesetzt wurde. "Das Jahr 2008 wird ein Jahr des Lernens sein", das war mir klar, schon zu oft habe ich in Clubs oder Vereinen eine Aufgabe übernommen und weiß, das es nach dem ersten Mal sofort grundlegende Verbesserungsideen gibt. Die Erfahrungen, welche ich im Historischen Automobilclub Böhmfeld sammeln konnte, waren sicherlich eine sehr gute Basis. Bereits im Jahr 2000 gab es das allererste "Historic Meeting" in Böhmfeld, das Fahrerlager war vor unserem Haus und in unserer Garage, die Strecke ging etwa 20 Kilometer durch die Böhmfelder Wälder und das Altmühltal, schon damals war es eine Gleichmäßigkeitsfahrt garniert mit Zwischenstopps, bei welchen automobile Fragen beantwortet werden mussten. Der Zuspruch war seinerzeit im Jahr 2000 enorm, immerhin hatten wir schon zu Beginn um die 15 aktive Teilnehmer obgleich das Wetter sehr eindeutig war: es regnete nur einmal, nämlich den gesamten Veranstaltungstag. In den folgenden Jahren fand das sogenannte "Historic Meeting" an den verschiedensten Orten Deutschlands statt: Hohwacht, Dinkelsbühl, auch wieder Böhmfeld und in 2008 in Kochel. Nach 2007 gab es jedoch massive Strömungen im Historischen Automobilclub, die bis dahin immer durchgeführten Gleichmäßigkeitsfahrten zu beenden, Ausfahrten und gemütliches Zusammensein werden die Schwerpunkte des Clublebens. Und dieser Entwicklung ist es wohl zu verdanken, dass die ProtoChampSeries gegründet wurden, ich konnte mir den Umgang mit besonderen Fahrzeugen ohne etwas Wettbewerb eigentlich nicht vorstellen. Organisiert wird diese Serie durch mein Unternehmen, der G.Pollmann GmbH. Das hat den enormen Vorteil, dass ich ohne Probleme Wettbewerbs-Regeln aufstellen und auch wieder ändern kann, sollte die Sachlage es erfordern. Ein Gremium, welches durch lange Diskussionen erst überzeugt werden muss, das gibt es erst gar nicht. Es sind einfach die Teilnehmer, die schlichtweg durch ihr Erscheinen oder Wegbleiben von den Wettbewerben entscheiden, ob die Entscheidungen gut waren oder nicht.

Die Regeln der Serie mit dem Titel "Historic Challenge" sind einfach: Es gibt drei Gleichmäßigkeitsfahrten auf ganz unterschiedlichen Rennstrecken, die erreichten Plätze werden mit Punkten bewertet – und nicht mit Strafpunkten, wie in anderen Wettbewerben; Strafpunkte, das hat so etwas Negatives. Und wer am Jahresende Meister ist, ist dann auch schnell klar, nämlich derjenige, der die meisten Punkte gesammelt hat. Trotz dieses sehr einfachen Systems gab es innerhalb des ersten Jahres einige doch sehr wichtige Innovationen: Jeder Teilnehmer kann so oft wie möglich und so oft er will an den Start gehen. Anfangs war es der erste Lauf, später wurde auf Wunsch einiger Teilnehmer eingeführt, dass irgendein Lauf (welcher aber vor Fahrtantritt vom Fahrer selbst definiert werden muss) der sogenannte "Vorgabelauf" ist. Gibt der Fahrer keinen Vorgabelauf an, dann ist halt der erste getätigte Lauf der Vorgabelauf. Unter allen anderen Läufen wird nun derjenige herausgesucht, welcher dem Vorgabelauf zeitlich am nähesten kommt – die daraus folgende Zeitdifferenz kommt dann in die Wertung. Dieses System hat zur Folge, dass genau das passiert, was sich der Veranstalter aber vor allem auch der Teilnehmer wünscht: er kann einerseits viel fahren und ist aber andererseits auch für den Fall, dass sein Fahrzeug technische Probleme haben sollte, bereits nach zweimaligem Durchfahren der Strecke in der Wertung. Alle weiteren Regeln sind auf zwei Seiten zusammengefasst und leicht verständlich. Besonders gefreut hat mich ein Artikel in der Tageszeitung "Donau Kurier" und "Eichstätter Kurier" im Juni 2008 – hier wurde die Zielsetzung der ProtoChampSeries einfach perfekt beschrieben – und aus diesem Grund ist der Artikel in dieser Zeitschrift nochmal abgedruckt.

Toll war es, dass alle drei Läufe zur Saison 2008 extrem gut besucht waren. Dies gilt für die Fahrer und natürlich auch für die Autos. Das Interesse an der Serie war sehr groß – und deshalb wurde nach dem ersten Lauf in Putlos neben der ProtoChampSeries (in welcher Fahrzeuge antreten, welche es weltweit so nur ein einziges Mal gibt) auch gleich eine zweite Klasse eingeführt, welche nicht minder interessante Fahrzeuge an den Start brachte: die SportsChampSeries. Hier starten schöne Sportwagen; das können Rennfahrzeuge oder auch Straßensportwagen sein. Und – um dem Wettbewerbsgedanken doch etwas auch in klassischer Sichtweise zu entsprechen – gibt es auf besonders sicheren Strecken wie Anklam oder Burgau auch einen sogenannten "Tempopokal", allerdings ohne eine Jahreswertung.

Das Wichtigste war allerdings das äußerst gelungene "Miteinander" aller Teilnehmer im Jahre 2008. Zu jeder Zeit – und nicht nur in den fröhlichen Abendstunden – war die Stimmung riesig, viele neue Bekanntschaften und Freundschaften wurden begründet. Den meisten Teilnehmern war das Drumherum vollkommen egal, Hauptsache, man konnte abends nett beisammen sitzen und Benzingespräche bis tief hinein in die Nacht führen. Und auch die Lach- und Zwerchfellmuskeln wurden bestens durchtrainiert...

Sicherlich nicht üblich, aber kennzeichnend für die neue Serie war mein Tätigkeitsbereich in Anklam. Was habe ich dort getan? Eigentlich war ich Rennleiter. Eigentlich war ich aber auch die Zeitnahme. Und die Koordination mit dem Tower des Flugplatzes Anklam (zwischendurch landeten immer mal wieder Flugzeuge auf der Rennstrecke) habe ich eigentlich auch per Walkie-Talkie durchgeführt. Bis auf wenige Momente, in welchen dies ein anderer Teilnehmer für mich übernahm: nämlich dann, wenn ich selbst am Steuer des Super Sports Roadsters mein Rennen fuhr. Und das Schönste daran: es war überhaupt kein Stress – und so soll das auch in Zukunft bleiben...

Gert Pollmann



Über ProtoChampSeries

Ziel dieser neuen Wettbewerbsserie ist es, Motorsport für jede Preisklasse zu ermöglichen und zugleich ein sehr buntes Starterfeld zu erreichen. Natürlich läßt es sich nicht vermeiden, dass auch in der ProtoChampSeries etwas Ehrgeiz entsteht - dieser soll sich aber immer der Freude an der Teilnahme und dem Miteinander unterordnen.